Ein Riss im Pfosten eines Gartenpavillons, ein Astloch, ein Spalt zwischen den Brettern oder eine Farbveränderung an der Fassade können Anlass zur Sorge geben – besonders, wenn sie kurz nach der Montage auftreten. Doch nicht jede solche Veränderung bedeutet einen Materialfehler oder einen Schaden an der Konstruktion. Holz ist ein natürlicher und hygroskopischer Werkstoff: Es reagiert auf Feuchtigkeit, Temperatur und Nutzungsbedingungen. Deshalb verändern sich sein Aussehen und seine Maße im Laufe der Zeit. Es ist hilfreich zu wissen, welche Erscheinungen auf die natürliche Bewegung des Holzes zurückzuführen sein können und wann eine genauere Beurteilung erforderlich ist.
Warum arbeitet Holz? Ursachen natürlicher Veränderungen des Materials
Holz ist ein hygroskopisches Material und reagiert daher während der gesamten Nutzungsdauer auf die Umgebungsbedingungen. Das bedeutet, dass es:
Feuchtigkeit aufnimmt und abgibt,
sich zusammenzieht und quillt,
auf Temperaturschwankungen reagiert,
vor allem quer zur Faserrichtung arbeitet,
bei Elementen aus Massivholz mit größerem Querschnitt stärker arbeiten kann.
In den Konstruktionen von Drewnolandia wird kammergetrocknetes Holz verwendet. Dieses Verfahren reduziert die Holzfeuchte vor der Verarbeitung und verbessert die Formstabilität, verhindert aber nicht, dass das Holz später auf seine Umgebung reagiert. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Ratgeber über die technische Holztrocknung sowie im Artikel darüber, welches Holz wir bei der Herstellung unserer Holzhäuser in Drewnolandia verwenden.
Sind Schwindrisse ein Holzfehler?
Längsrisse entstehen, wenn die äußeren Schichten eines Bauteils schneller trocknen als sein Inneres. Die unterschiedliche Geschwindigkeit der Feuchtigkeitsabgabe führt zu Spannungen, die einen entlang der Fasern verlaufenden Spalt verursachen können. Solche Risse treten vor allem bei Pfosten, Balken, Kanthölzern und anderen Massivholzelementen mit großem Querschnitt auf. Das bloße Auftreten eines Risses bedeutet nicht, dass das Bauteil mangelhaft ist. Entscheidend sind seine Richtung, sein Ausmaß und seine Lage sowie die Funktion des jeweiligen Konstruktionsteils.
Besonders genau beurteilt werden sollten durchgehende Risse, Risse quer zur Faserrichtung sowie solche, die mit einer deutlichen Verformung einhergehen. Zu beachten ist auch, dass Massivholz und Leimholz unterschiedlich arbeiten – mehr dazu erfahren Sie in unserem Artikel: „Massivholz und Leimholz“.
Äste im Holz als natürliche Materialeigenschaft
Äste entstehen an den Stellen, an denen Zweige aus dem Stamm gewachsen sind. Sie sind somit ein natürlicher Bestandteil der Holzstruktur und ihre Anwesenheit bedeutet für sich genommen keine schlechte Materialqualität. Gesunde, fest verwachsene Äste gehören zur natürlichen Maserung des Holzes. Lose Äste, die herausfallen oder Fehlstellen hinterlassen, sollten genauer beachtet werden. Bei Konstruktionselementen ist auch ihre Lage wichtig.
Harzaustritt an der Holzoberfläche
Harz ist ein natürlicher Bestandteil von Nadelholz, darunter Kiefer und Fichte. Besonders an warmen, sonnigen Tagen kann es an der Oberfläche austreten und zeigt sich häufig in der Nähe von Ästen. Die bei unseren Konstruktionen angewandte technische Trocknung begrenzt dieses Phänomen, kann es aber nicht immer vollständig verhindern.
Nach dem Harzaustritt sollte man es am besten aushärten lassen. Den getrockneten Tropfen können Sie vorsichtig entfernen und Rückstände mit einem geeigneten Harzentferner beseitigen.
Vergrauen von Holz durch UV-Strahlung und Feuchtigkeit
Das Vergrauen von Holz ist ein natürliches Phänomen, das bei Nutzern Anlass zur Sorge geben kann. Die silbergraue Färbung der Oberfläche entsteht durch UV-Strahlung und Feuchtigkeit. Der Prozess betrifft ausschließlich die äußere Materialschicht mit einer Stärke von 0,05 bis 0,5 mm – also weniger als einen Millimeter. Er dringt nicht in die Holzstruktur ein und verändert nicht die Tragfähigkeit der Konstruktion. Es handelt sich daher in erster Linie um eine optische Veränderung, die mit der natürlichen Alterung einer der Witterung ausgesetzten Oberfläche zusammenhängt, und nicht um ein Anzeichen für eine geschwächte Konstruktion.
Eine Imprägnierung kann sichtbare Veränderungen verlangsamen und das spätere Auffrischen des Holzes erleichtern, hält sie aber nicht vollständig auf. Ausführlicher behandeln wir dieses Thema in unserem Ratgeber: „Holzvergrauung – ein natürlicher Prozess“.
Schüsselung und leichte Verformungen von Brettern
Bei ungleichmäßigem Trocknen kann sich ein Brett quer zur Faserrichtung leicht wölben und eine rinnenartige Form annehmen. Dieses Phänomen wird als Schüsselung bezeichnet und entsteht, weil die verschiedenen Bereiche des Bauteils unterschiedlich schnell Feuchtigkeit abgeben.
Leichte Verformungen von Bauteilen können auf die natürliche Bewegung des Holzes zurückzuführen sein. Beeinträchtigt die Verformung jedoch die Dichtheit der Wand, erschwert sie die Funktion von Türen oder Fenstern oder betrifft sie ein Konstruktionselement, sollten Sie sie dem Hersteller zur Beurteilung melden.
Wodurch entstehen Spalten zwischen den Brettern?
Sinkt die Holzfeuchtigkeit, zieht sich das Holz zusammen. Dadurch können sichtbare Abstände zwischen den Brettern entstehen. Das betrifft unter anderem Profilholz, Fußböden und andere Ausbauelemente. Oft ist die Veränderung saisonbedingt: Bei steigender Luftfeuchtigkeit kann das Material wieder an Größe zunehmen und die Spalten können sich teilweise schließen. Deshalb sollte nicht jeder Spalt automatisch abgedichtet werden, ohne zuvor seine Ursache festzustellen. Ein verklebter Spalt verhindert die natürliche Bewegung des Materials – bei steigender Feuchtigkeit kann das Brett nicht mehr quellen, was zu Verformungen oder Schäden an benachbarten Elementen führen kann. Wird der Abstand schnell größer oder führt er zu Undichtigkeiten, sollte er genauer beurteilt werden.
Heraustreten der Feder aus der Nut bei Fassadenbrettern
Auch Fassadenbretter mit Nut-und-Feder-Verbindung reagieren auf Veränderungen der Feuchtigkeit. Wenn sich das Brett zusammenzieht, kann die Feder teilweise aus der Nut heraustreten. Laut einem unabhängigen technischen Gutachten eines Bausachverständigen ist ein teilweises Heraustreten der Feder aus der Nut von bis zu 7 mm zulässig, sofern die Verbindung ihre Funktion und Dichtheit weiterhin erfüllt. Ein vollständiges Heraustreten der Feder oder der Verlust der Dichtheit erfordern eine gesonderte Beurteilung.
Woher kommen Knack- und Quietschgeräusche in der Konstruktion?
Knack- und Quietschgeräusche können durch die natürliche Bewegung des Holzes bei Veränderungen von Temperatur und Feuchtigkeit entstehen. Besonders auffällig sind sie bei abrupten Veränderungen der Bedingungen und während der ersten Nutzungszeit der Konstruktion. Treten zusammen mit den Geräuschen Verformungen, Verschiebungen von Bauteilen oder Probleme mit der Dichtheit auf, sollten Sie dies dem Hersteller zur Beurteilung melden.
Ausbleichen der Beschichtung und Beläge auf dem Holz
Schutzbeschichtungen verlieren mit der Zeit durch Sonne, Regen und Feuchtigkeit ihre Eigenschaften. Wie schnell sich die Beschichtung verändert, hängt davon ab, wie stark die einzelnen Wände der Witterung ausgesetzt sind. Eine geschwächte Oberfläche hält Staub und organische Partikel leichter fest, und bei erhöhter Feuchtigkeit können sich Beläge bilden. Das ist ein Hinweis darauf, dass die Oberfläche gereinigt und der Schutz erneuert werden sollte. Weitere Informationen finden Sie in unseren Ratgebern über Möglichkeiten zum Schutz von Holz und darüber, welche Holzlasur Sie wählen sollten.
Welche Veränderungen gelten als natürliche Holzfehler?
Der Begriff „natürliche Holzfehler“ wird häufig umgangssprachlich verwendet, obwohl es sich bei vielen dieser Erscheinungen tatsächlich um natürliche Eigenschaften oder Folgen der Bewegung des Materials handelt. Dazu zählen:
gesunde Äste,
Schwindrisse,
Harzaustritt,
Vergrauung,
kleine, durch Schwinden entstandene Spalten,
leichte Verformungen von Brettern.
Das bedeutet jedoch nicht, dass jede Veränderung als natürlich eingestuft werden sollte. Bei der Beurteilung sind ihr Ausmaß, die Stelle, an der sie auftritt, und ihre Auswirkungen auf die Haltbarkeit, Dichtheit und Nutzung der Konstruktion zu berücksichtigen.
Wann sollten Sie eine Veränderung dem Hersteller eines Gartenpavillons oder Holzhauses melden?
Eine genauere Beurteilung ist insbesondere bei durchgehenden Rissen oder Rissen quer zur Faserrichtung erforderlich, ebenso bei deutlichen Verformungen von Konstruktionselementen, einem vollständigen Heraustreten der Feder aus der Nut, undichten Stellen, Wassereintritt sowie Problemen mit Türen und Fenstern. Melden sollten Sie auch herausfallende Äste, die Fehlstellen hinterlassen, sichtbare Anzeichen von Schimmel, Pilzbefall oder Insekten sowie Montagefehler.
Am besten senden Sie ein Foto des gesamten Bauteils sowie eine Nahaufnahme der Stelle, die Anlass zur Sorge gibt. Bei einem Riss oder Spalt ist außerdem ein Foto mit angelegtem Maßstab hilfreich. Ihre Meldung nehmen wir unter folgender Adresse entgegen: serwis@drewnolandia.pl. Bitte geben Sie die Bestellnummer oder das Abholdatum an und fügen Sie die oben beschriebenen Fotos bei. Wir antworten innerhalb von 14 Tagen.
Wie lassen sich die Auswirkungen der natürlichen Bewegung des Holzes begrenzen?
Die natürliche Bewegung des Holzes lässt sich nicht vollständig verhindern, ihre Auswirkungen können jedoch begrenzt werden. Besonders wichtig ist es:
die Schutzbeschichtungen regelmäßig zu kontrollieren,
für eine gute Belüftung zu sorgen,
länger anhaltende Durchfeuchtung zu vermeiden,
für eine gute Wasserableitung zu sorgen,
den Kontakt des Holzes mit dem Erdreich und Schnee zu begrenzen,
die Luftfeuchtigkeit in ganzjährig bewohnbaren Holzhäusern zwischen 40–60% zu halten.
Während der Heizperiode sinkt die Luftfeuchtigkeit in Innenräumen häufig unter 30%, wodurch sich das Holz stärker zusammenzieht und Spalten größer werden. Ein Luftbefeuchter kann sinnvoll sein – er kommt auch der Gesundheit der Bewohner zugute.
Häufig gestellte Fragen zu Holzfehlern bei Gartenpavillons und Holzhäusern (FAQ)
Holz kann sich während der gesamten Nutzungsdauer einer Konstruktion verändern. Im Folgenden beantworten wir die häufigsten Fragen zu seinen natürlichen Eigenschaften.
Sind Risse im Holz normal?
Längs verlaufende Schwindrisse können durch die natürliche Abgabe von Feuchtigkeit entstehen. Entscheidend sind jedoch ihre Richtung, ihr Ausmaß und ihre Lage.
Sind Äste ein Zeichen für einen Holzfehler?
Gesunde, fest verwachsene Äste sind ein natürlicher Bestandteil der Materialstruktur. Besonders lose und herausfallende Äste sowie solche, die Fehlstellen hinterlassen, sollten beurteilt werden.
Ist austretendes Harz ein Zeichen für schlechte Holzqualität?
Nein. Harz ist ein natürlicher Bestandteil von Nadelholz und kann insbesondere bei höheren Temperaturen und starker Sonneneinstrahlung an der Oberfläche austreten. Nach dem Aushärten lässt es sich vorsichtig entfernen.
Können nach der Montage Spalten zwischen den Brettern entstehen?
Ja. Holz verändert seine Maße mit der Luftfeuchtigkeit, deshalb können zwischen den Brettern zeitweise kleine Spalten auftreten. Wird der Abstand jedoch deutlich größer oder führt er zu Undichtigkeiten, sollten Sie ihn mit dem Hersteller besprechen.
Wann sollten Veränderungen an einer Holzkonstruktion dem Hersteller gemeldet werden?
Wenn sie Zweifel an der Sicherheit, Dichtheit oder Nutzung der Konstruktion aufkommen lassen. Senden Sie am besten Fotos und, wenn möglich, ein Maß der Veränderung mit.
Den genauen Garantieumfang sowie die Grenzwerte für einzelne Erscheinungen beschreiben wir im Dokument „Natürliche Eigenschaften von Holz und Garantieumfang“, das jeder Bauherr bei der Abnahme des Gebäudes erhält.
